Wenn es dann unter der Entbindung zu Komplikationen oder zum sogenannten Geburtsstillstand kommt, ist es ein Zusammenspiel von eigener Geschichte, begleitende Geburtshelfer, Rolle des Partners.
Und auch wenn der Verlauf der Entbindung nicht den eigenen Wünschen voll und ganz entspricht, muss es sich im Nachhinein nicht zu einem belastenden Nachhall oder gar traumatischen Erfahrung entwickeln. Auch da spielen wieder vielfache Komponenten eine Rolle.
Sind die Emotionen bei der Erinnerung an das ganz gar nicht so freudige Ereignis weiterhin geprägt von dem Gefühl, um ein unwiederbringliches besonderes Ereignis gebracht worden zu sein, ist es wichtig, sich diesen Gefühlen zu stellen und auch zu verarbeiten. Viele Frauen und Eltern wissen dann häufig nicht, an wen sie sich wenden sollen. Das Geburtsteam hat alles Machbare getan. Das Kind und die Mutter sind gesund durchgekommen. Also müssten doch alle glücklich sein. Auch der Partner ist meist überfordert bei der Lösungsfindung für die Emotionalität der Frau.
Bei unseren Seminaren geht es nicht darum ein „alles ist wieder gut“ zu erreichen. Wir möchten die Mütter wieder in Kontakt bringen mit ihren gesunden kraftvollen Anteilen. Das Hineinspüren in das eigene Potential macht es möglich, die Verletzungen an Seele und Körper anzusehen und Schritt für Schritt aufzulösen. Rituale erschaffen eine neue Wirklichkeit, in die die Mutter vertrauensvoll eintaucht und ihre individuellen verletzten Anteile transformiert.
Nicht integrierte Traumaanteile entwickeln sich nicht weiter, sondern fungieren bis zu ihrer Auflösung als Trigger und Stressoren. Dies macht auch eine natürliche Mutter-Kind-Bindung schwierig. Jedes Mal, wenn wir als Mutter unser Kind anschauen, tauchen unweigerlich auch die Bilder des Geburtsereignisses auf. Ist Heilung der dort entstandenen Verletzungen geschehen, ist auch das Kind in seiner Entwicklung freier. Es fühlt nicht mehr die Besorgnis der Mutter, die ihre Wurzeln eigentlich in der Vergangenheit hat.
Gerade nach einem Kaiserschnitt fühlen Frauen sich auch in ihrer Weiblichkeit, Gebärfähigkeit und Körperlichkeit verletzt, entwertet oder von ihr getrennt.
All dies ist nicht etwa ein zu erduldendes Schicksal nach dem Motto „Zeit heilt schon alle Wunden“. Denn dieser Spruch ist bei traumatischen Ereignissen nicht zutreffend. Wir haben nur gelernt, die Auswirkungen zu unterdrücken und Strategien entwickelt, mit ihnen zu arrangieren. Das ist KEINE Verarbeitung.
Unser Wunsch ist es, dass frau sich mit sich, ihrem Körper und ihrem Kind wieder als liebe- und friedvolle Einheit empfindet. Sie soll sich gerade wegen dieses einstmals so schlimmen Erlebnisses ihrer Lebenskraft und Potentials bewusster werden und daraus neue Vitalität und Energie schöpfen. Eine Energie, die sich bisher für die Verdrängung der verletzten Anteile verbrauchte.
Sogar Frauen, die sich nicht mehr nackt anschauen oder an der Narbe berühren konnten, lernen, ihren Körper neu zu entdecken und sich in ihm wohlzufühlen.
Es ist nicht zu spät für ein glückliches Entbindungserlebnis.

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Petra Becker und Britta Steinbach