Prägung durch geplanten Kaiserschnitt

Geplanter Kaiserschnitt FB„Ich fühle mich ständig unter Druck gesetzt, wenn ich eine Arbeit abliefern soll.“ „Ich schaffe es meist nicht, pünktlich fertig zu werden. “ „Ich darf nichts in meinem Tempo zu Ende bringen.“ „Ich fühle mich gut und dann kommt immer irgendetwas dazwischen und stört mein Wohlbefinden massiv. Ich bin dann geradezu orientierungslos und muss mich dann erst ganz neu sortieren.“
So oder so ähnlich erzählen Klienten, deren Geburt durch Kaiserschnitt ohne Wehen terminiert wurde.
Auch kleine Kinder beschreiben dies sehr anschaulich: „Immer, wenn ich gerade etwas Schönes baue oder male, müssen wir irgendwohin und ich kann es nicht fertig machen.“

Wenn wir uns vorstellen, dass ein Ungeborenes vollkommen unvorbereitet, plötzlich aus seiner bisherigen Welt rausgerissen wird und in einem meist klimatisierten Operationssaal mit greller Beleuchtung aus dem Bauch der Mutter herausgezogen wird, sind diese oben beschriebenen Muster tatsächlich verständlich.
Wohlgemerkt spreche ich hier nicht von einem Notkaiserschnitt, der Mutter und/oder Kind aus einer oft lebensgefährlichen Situation rettet.
Vielmehr geht es hier um einen wohlgeplanten Kaiserschnitt aus vielerlei Gründen – ob medizinisch oder als Wunschkaiserschnitt.
Immer mehr Kliniken haben erkannt, dass es für das Baby gesundheitlich besser ist, wenn es schon ein paar Wehenerfahrungen hatte, bevor der Kaiserschnitt durchgeführt wird. Die Lungen, angefüllt mit Fruchtwasser, werden durch die Wehen massiert und ein großer Teil des Fruchtwassers wird so schon im Mutterleib herausgedrückt.
Ohne vorherige Wehen geschieht dies nicht und kann bei dem Kind später Asthma auslösen.
Das ist die rein physische Erkenntnis.

Doch die psychischen Auswirkungen sind für den Betroffenen meist gar nicht in Verbindung mit diesem Geburtsgeschehen zu erkennen.

Viele Glaubenssätze werden im Moment des Verlassens der Gebärmutter gebildet. Grundsätzlich. Egal welche Geburtsart erfolgte. Es ist geradezu eine Explosion von Synapsenbildung (Verbindungen zwischen Gehirnzellen). Diese dabei entstehenden Glaubenssätze werden erst einmal als Realität festgelegt und auf alle ähnlichen Situationen im Leben als Grundlage angewandt. Das können Kleinigkeiten wie "kein Ende finden" bei irgendwelchen Tätigkeiten oder aber auch Vermeidungsverhalten bei größeren Herausforderungen z. B. im Beruf. Wie die Auswirkungen genau aussehen, resultiert aus jedem noch so kleinem Detail des erlebten Geburtsereignisses. Daraus setzen sich dann individuelle Muster und Verhaltensstrategien zusammen. Die Auflösung dieser Muster gestaltet sich meist deshalb so zäh, weil die rationale Verbindung zur Ursache fehlt und aus diesem Grund in die Bemühungen bei der Therapie meist nicht mit einbezogen werden.


Was kannst Du als werdende Mutter im Vorfeld tun, um diese Auswirkungen zu mildern?
Zum einen ist es ganz wichtig, genau zu prüfen, ob es keine andere Lösung als den Kaiserschnitt gibt. Wenn der Kaiserschnitt nicht vermeidbar ist, dann sollte im Vorfeld ganz klar auf einen Kaiserschnitt NACH Einsetzen der Wehen bestanden werden. Das ist bei der Klinik meist nicht so gerne gesehen, denn wer macht schon gerne mitten in der Nacht oder im laufenden Tages-OP-Programm einen (un-) geplanten Kaiserschnitt. Doch es gilt das Recht auf Unversehrtheit. Und somit auch ein Recht auf die psychische Unversehrtheit.
Dann sollte der Kaiserschnitt, wenn irgend möglich in einer Spinalanästhesie erfolgen, bei der Du als Mutter ab Mitte des Rückens während der Operation schmerzfrei bleibst und wach bist, um mit Deinem Baby jederzeit in Kontakt zu bleiben.
Zum anderen kannst Du schon ab der Entscheidung zum Kaiserschnitt mit Deinem Baby im Bauch über die Gründe für diese Maßnahme sprechen. Besonders wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass es gleich in den OP geht, solltest Du dem Baby die ganze Zeit alle Schritte beschreiben. Dazu ist eine gute Hebammenbegleitung unabdingbar. Oftmals ist der Partner eine gute Unterstützung, doch auch er ist in einer angespannten Verfassung und ist manchmal als Anker etwas überfordert.

Es ist nicht schlimm, wenn Du als Mutter aufgeregt bist. Das fühlt Dein Baby sowieso, auch wenn Du es versuchst zu unterdrücken und es ist vollkommen verständlich. Erzähle ihm, dass es gleich in Deinen Armen liegt und Ihr Euch endlich sehen könnt.
Wähle eine Klinik aus, die es ermöglicht, dass Du Dein Baby schon im OP nackt auf die Brust gelegt bekommst und nach Wunsch stillen kannst. Viele Kliniken sträuben sich noch dagegen, weil es mit einem größeren Aufwand verbunden ist. Doch wenn man das Ganze mal genau betrachtet, ist es den Aufwand allemal wert und im Grunde mit kleinen Veränderungen im Ablauf gut umzusetzen.

Wichtig ist es, im Anschluss des Klinikaufenthaltes einen Cranio-Sacral-Therapeuten für Dich UND das Baby aufzusuchen. Denn der heute propagierte ach so sanfte Kaiserschnitt ist mitnichten ein sanftes Unterfangen. Der Bauchschnitt wird bewusst schmal gehalten. Das über der Gebärmutter liegende Bauchfell wird nicht mehr geschnitten, sondern gerissen und nachher überlappend wieder über den Schnitt der Gebärmutter gelegt, statt ihn wie früher zu vernähen. Da der Ausschnitt, aus dem der Arzt das Kind „entwickelt“, sehr begrenzt ist, wird sehr viel an dem Kind gezogen und gedrückt. Die nächste Maßnahme, nachdem das Kind den Bauch der Mutter verlassen hat, ist ein Absaugen von Fruchtwasser aus Mund und Nase. Für das Kind eine immense Überflutung von Eindrücken: Seine Höhle wird geöffnet, grelles Licht strömt ein, es wird unsanft herausgezogen, das Absaugröhrchen führt oft zu Würgereizen, die Welt ist nicht mehr das Fruchtwasser, es muss selbständig atmen, es ist um mindesten 10 Grad kälter, wobei das Baby ja auch noch nass ist, eine große Anzahl fremder Leute ist um es drumherum.
Dies geschieht alles sehr schnell, da es wichtig ist, dass das Kind möglichst wenig Narkosemittel (auch wenn es sich um eine Rückenmarksnarkose handelt) bekommt. Zudem kommt es bei der Spinalanästhesie/SPA hinzu (nicht bei der PDA!), dass ein Nachspritzen des Analgetikums nicht möglich ist. So ist es wichtig, dass das Zeitfenster der Betäubungsdauer eingehalten wird.
Dieses hektische Vorgehen ist für das Baby im höchsten Maße verstörend. Das Einzige, was in diesem Augenblick hilft, ist Mama (im Notfall auch Papa). Alles andere und jeder andere wird den Schock für das Baby verstärken und eine Verarbeitung des Stresses/Traumas verzögern oder sogar ganz verhindern. (Ein Trauma bezeichnet ein Erlebnis, dass zu schnell, zu heftig und ein Zuviel auf einmal für den Betreffenden war)

Wenn Du eine Mutter nach einem Kaiserschnitt bist und nach dieser Lektüre das Gefühl hast, etwas versäumt zu haben, suche Dir Hilfe. Es gibt mittlerweile viele therapeutisch versierte Ansprechpartner für diesen Bereich. Natürlich stehen auch wir von geburts-licht.de Dir gerne zur Seite. Nimm unverbindlich mit uns Kontakt auf.


Bist Du selbst durch einen geplanten Kaiserschnitt geboren und fühlst Dich durch diesen Beitrag angesprochen? Es ist nie zu spät, seine Geburt in heilender Weise zu reinszenieren. Es befreit uns von einschränkenden Mustern und lässt uns neue positive Erfahrungen machen. Unsere Seminare können ein Schritt in diese Richtung sein. Für eine Beratung und individuelle Infos kannst Du uns gerne anrufen oder anmailen.

Wenn Du Hilfe suchst oder Fragen hast, wende Dich gerne unverbindlich an uns unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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