Anleitung zu T.I.P.I.

Um T.I.P.I. durchzuführen brauchst Du eine Situation aus den letzten 14 Tagen, die Dich emotional gestresst hat.
Nimm Dir zu Beginn dieses Übens eine einfache Situation vor wie zum Beispiel die nicht aufgeräumte Spülmaschine. Auch wenn Du jetzt denkst, dass das ja nun wirklich nur eine Lappalie ist. Nutze sie einfach. An die „dicken Hunde“ kannst Du Dich ja nach erfolgreichem Üben dranbegeben.
1. Such Dir aus der Situation, die Du gewählt hast, DEN Ausschnitt aus, der für Dich am stressigsten war. Sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.
Beispiel unaufgeräumte Spülmaschine: Du bist gestern in die Küche gekommen und hast schon gleich gesehen, dass auf der Spülmaschine schmutziges Geschirr steht. Du bist zur Spülmaschine gegangen, dabei hast Du natürlich bemerkt, dass die Klappe geöffnet ist. Beim Blick hinein hast Du Deine Erwartung bestätigt gefunden, dass das Geschirr sauber ist und nicht ausgeräumt ist.
Sagen wir mal, der „schlimmste“ Augenblick aus dieser Szene ist der Blick auf das saubere Geschirr in der Maschine gewesen. Vorher hast Du ja schon beim Hereinkommen in die Küche erkannt, was Dich erwartet. Du warst also schon „aktiviert“. Aber wie gesagt, der „schlimmste Moment“ ist der Blick in die Spülmaschine gewesen.
Diesen Augenblick würdest Du also jetzt auswählen.
2. Du schließt die Augen und gehst innerlich in diese Szene, als wenn Du sie noch einmal erleben würdest. Bitte NICHT versuchen, sich zu ERINNERN wie es sich angefühlt hat.
Sondern wirklich einen Zeitsprung in die Szene hinein machen.
3. Wenn Du die Szene vor Deinem inneren Auge siehst, machst Du Deinen inneren Fernseher wieder aus. Das ist GANZ WICHTIG. Nicht an dem inneren Bild festhalten. Auch wenn Du jetzt denkst: „Aber dann ist das Gefühl ja wieder weg!“, halte Dich bitte an die Anleitung. Sonst klappt es nicht.
4. Jetzt wird Dein Körper unterschiedliche Symptome zeigen, wie zum Beispiel schnellere Atmung oder auch eingeschränkte Atmung oder Herzklopfen oder Druck oder Kribbeln oder Zittern oder oder oder. Beobachte dies einfach. Greife nicht ein mit irgendwelchen Strategien wie tiefes Einatmen oder Ähnlichem. Nimm wahr, was Dein Körper Dir erzählen möchte und unterbrich ihn nicht.
5. Lass sich alles in Deinem Körper zeigen und weiterentwickeln.
6. Nach kurzer Zeit – spätestens nach 3 Minuten – hat sich alles in Deinem Körper beruhigt.
7. Nun öffne kurz Deine Augen. Spüre kurz nach.
8. Erinnerst Du Dich noch an die Szene, mit der Du in diese Behandlung eingestiegen bist? Ja?* Dann beginnst Du mit Punkt 2 und verfährst bist Punkt 7 genauso wie in der ersten Runde.
* Es kann sein, dass Du Dich in der 2. Runde nicht so recht auf die Situation einstellen kannst. Das ist ein gutes Zeichen, verfahre aber dennoch wie bei Punkt 8 beschrieben.


In der 2. Runde zeigt der Körper meist dieselben Symptome, nur abgeschwächter. Es können aber auch ganz andere Symptome auftreten. Beides ist richtig.
Nach der 2. Runde überprüfe einmal, ob Du bei der Vorstellung der behandelten Situation noch emotional betroffen reagierst. Mögliche Reaktionen nach einem guten Verlauf können sein, dass die Situation sich plötzlich neutral oder sachlich anfühlt. Es kann sogar sein, dass Du lachen musst.
In beiden Fällen ist eine dritte Runde nicht mehr notwendig. Solltest Du das Gefühl haben, dass es sich noch ein klein bisschen unangenehm anfühlt, solltest Du unbedingt noch eine dritte Runde durchführen, um wirklich sauber gearbeitet zu haben.

 

Wieso ist das so? Wieso funktioniert das eigentlich?
Stell Dir einmal vor, Du bist ein Kaninchen, das auf einer Wiese genüsslich friss. Plötzlich bemerkst Du eine Bewegung und mit Schreck erkennst Du, dass diese Bewegung von einem Fuchs kommt.
Da Du ein Fluchttier bist, wirst Du versuchen, in Deinen Bau zu kommen. Gehen wir mal davon aus, dass Dir das gelingt. Was würdest Du tun, wenn Du dort in Deinem sicheren Bau angekommen bist?
Eine systemische Aufstellung, eine Psychotherapie, ein Telefonat mit Deiner Freundin? Natürlich nicht. Du würdest dort sitzen, zittern, hecheln, Herzklopfen haben. Irgendwann würde sich alles mehr und mehr beruhigen. Du würdest Dich putzen, schütteln und... genau, wieder nach draußen hopsen und auf derselben Wiese weiterfressen.
Und was machen wir Menschen? Wir analysieren, besprechen, überlegen Strategien für eine Situation, die längst gegessen ist. Das ist das Problem, wenn man ein großes Gehirn hat.
Das Denken durchbricht den ganz natürlichen Prozess der Verarbeitung, der durch das Stammhirn koordiniert wird.

Wenn dieser Verarbeitungsprozess nicht ungehindert durchlaufen kann, sondern durch unsere Gedanken ständig gedeckelt oder verdrängt wird, bleibt er sozusagen wie der Tonarm in der Rille einer Langspielplatte hängen. Und jedes Mal, wenn sich unser Körper getriggert fühlt – das könnte im Fall des Kaninchens das grüne Gras sein, der Geruch des Gänseblümchens, das Geräusch der Grashalme, ein Schatten oder eine Bewegung im Blickwinkel – steigt unser Körper genau an dem damaligen Zeitpunkt wieder ein und verhält sich so als hätte er eine Zeitreise zu diesem Ereignis gemacht. Es ist durch unseren Verstand nicht zu kontrollieren.

Dieses Verhalten bietet natürlich auch gleichzeitig eine neue Chance, den alten Ballast aus der Vergangenheit loszulassen. Doch da wir dann wieder versuchen, die für uns unverständlichen Reaktionen wegzudrücken, ist der Prozess ein weiteres Mal gestört und kommt nicht zu einem guten Ende.

Wenn Du nun T.I.P.I. selbst ausprobierst und es nicht so funktioniert, wie ich es beschrieben habe, kannst Du mir gerne Deine Frage per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreiben.
Solltest Du darüber hinaus eine persönliche Einweisung mit der gleichzeitigen Auflösung eines Themas wünschen, dann ist dies per Skype oder Telefon sehr gut machbar. Der Zeitaufwand beträgt 60 Minuten und wird von mir mit 85 Euro in Rechnung gestellt.


Ich wünsche Dir beim Üben viel Erfolg und eine herzerfrischende Befreiung von alten Ängsten und was Dich sonst noch belastet.

Herzliche Grüße. Britta Steinbach