Alltägliche Auswirkungen nach Geburtstrauma

Oft schauen uns die Menschen mit großen Augen an, wenn wir ihnen sagen, dass ihre belastenden Emotionen, Verhaltensmuster oder Ängste auf ein Geburtstrauma zurückzuführen sind.

„Aber meine Mutter hat gar nichts Schlimmes berichtet von meiner Geburt.“ Das ist dann häufig die erste Reaktion.
Die Geburt mag für die anderen Beteiligten – Mutter, Vater, Hebamme, Gynäkologe – ganz normal und unauffällig gewesen sein. Für das Baby ist es ein extrem prägendes Erlebnis. Alles was rund um die Geburt geschieht und von ihm wahrgenommen wird, hinterlässt einen psychologischen Inprint. Es nimmt jede Veränderung in der Stimme, jede Berührung – ob grob oder sensibel – mit hoher Intensität wahr.
Geburt ist nicht nur ein freudiges Ereignis. Vielmehr ist es der Übergang mit den stärksten Veränderungen, die wir jemals im Leben erfahren werden. Geburt ist auch heute noch ein Vorgang, der mit tiefen Urängsten und Todesangst verbunden sein kann.
Ob eine Geburt auch für das Kind glücklich und entspannt war, zeigt sich erst im Laufe des Lebens.
Jedoch bevor ich auf die Auswirkungen im täglichen Leben eingehe, möchte ich betonen, dass jedes schreckliche Erlebnis auch ein Zeichen für Überlebenswille, Stärke und Mut ist. Und – jedes traumatische Erlebnis lässt sich auf heilsame Weise integrieren. Schon das unausgesetzte, ungestörte Bonding direkt nach Verlassen der Gebärmutter kann dazu führen, dass die Auswirkungen an Intensität stark vermindert verbleiben oder sogar ganz verschwinden.
Nicht umsonst heißt es: ALL YOU NEED IST LOVE.


Um einen Einblick zu bekommen, welche Auswirkungen auf ein Geburtstrauma hinweisen können, hier ein Fragenkatalog.
1.    Knoten in der Nabelschnur
1.1.    Sie mögen keine ruckartigen Bewegungen?
1.2.    Sie haben das Gefühl, mit Ihren Energien haushalten zu müssen, da Sie sonst den Tag nicht schaffen
1.3.    Sie haben eine Abneigung oder sind begeistert von Knoten (z. B. in Knoten)?
1.4.    Sie fühlen sich oft schlapp und müde?

1.5.    Selbst wenn es gut läuft, haben Sie Sorge, was denn vielleicht passieren könnte?

2.    Verwicklung in die Nabelschnur während der Schwangerschaft
2.1.    Sie neigen zu Atemschwierigkeiten bei außergewöhnlichen oder besorgniserregenden Ereignissen?
2.2.    Bei Stress leiden Sie unter Bauchschmerzen und/oder Übersäuerung?
2.3.    Sie leiden häufig unter Verspannungen in bestimmten Körperbereichen oder –teilen?
2.4.    Bei Stress neigen Sie zu Störungen der Bewegungskoordination oder sogar bis zu
          Lähmungserscheinungen?
2.5.    Sie reagieren gereizt, wenn Sie sich eingeengt fühlen?
2.6.    Sie haben das Gefühl, mit Ihren Energien haushalten zu müssen, da Sie sonst den Tag nicht schaffen
2.7.    Sie neigen schnell zur Erschöpfung?

3.    Verwicklung in die Nabelschnur beim Drehen in die Geburtsposition
3.1.    Sie neigen zur Ängstlichkeit bei besonderen oder ungewöhnlichen Ereignissen?
3.2.    Sie fühlen sich schnell überfordert?
3.3.    Sie neigen zur Hyperaktivität?

4.    Verwicklung in die Nabelschnur unter der Geburt
4.1.    Widerwillen gegen Einengendes?
4.2.    Fühlen sie sich antriebsarm?
4.3.    Sie haben das Gefühl, von Überforderung und nicht mehr richtig denken zu können, wenn Sie in
          stressige Situationen kommen?
4.4.    Übergangsphasen machen Ihnen Angst (Umzüge, Schulwechsel, berufliche Veränderungen, usw.)?
4.5.    Sie haben oft das Gefühl, neben sich zu stehen?
4.6.    Sie interessieren sich sehr für Spiritualität oder Abstraktes?
4.7.    Sie leiden unter Klaustrophobie (Angst vor engen oder/und geschlossenen Räumen)?
4.8.    Sie haben zwischendurch Angst bei Stress ohnmächtig zu werden?
4.9.    Sie haben nicht so viel Kontakt zu Ihrem Körper, sie sind eher mit dem Verstand verbunden?

5.    Vergiftung mit schädlichen Substanzen in der Schwangerschaft (Alkohol, Drogen, Medikamente,
       Tabak, usw.)

5.1.    Sie leiden unter Ess- und/oder Schlafstörungen?
5.2.    In der Kindheit war Ihre Entwicklung verzögert oder sind Sie mit geringem Geburtsgewicht geboren,
          obwohl sie nicht zu früh geboren sind?
5.3.    Sie haben manchmal Probleme mit der Bewegungskoordination?
5.4.    Sie können nicht so gut strukturiert an Vorhaben gehen?
5.5.    Sie sind misstrauisch gegenüber Medikamenten und/oder unbekannten Nahrungsmitteln?
5.6.    Sie neigen zu Hyperaktivität?

6.    Stress der Mutter während der Schwangerschaft
6.1.    War Ihre Entwicklung in der Kindheit verzögert oder sind Sie mit geringem Geburtsgewicht geboren,
          obwohl sie nicht zu früh geboren sind?
6.2.    Leiden Sie unter Hemmungen?
6.3.    Haben Sie schon mal unter Magersucht gelitten?

7.    Vorzeitiger Blasensprung
7.1.    Sie können folgendes Verhalten bestätigen: Plötzliche Ereignisse oder unvorhergesehene Situationen
          können augenblicklich Angst auslösen, gepaart mit dem Gefühl von großem Durst („auf den Schreck
          muss ich erst einmal was trinken“)?

8.    Nabelschnurvorfall
8.1.    Sie können sich hier wiedererkennen: Auch wenn alles gut läuft, haben Sie Angst, es könnte doch eine
          Katastrophe plötzlich hereinbrechen, besonders und gerade, wenn sie nicht erwartet wird.

9.    Schmerzen bei der Geburt durch zu enges Becken der Mutter
9.1.    Leiden Sie häufig unter Kopfschmerzen, Spannungen im Kiefergelenk, Schmerzen im Augenbereich und
          der Unfähigkeit, Druck auf dem Kopf zu ertragen?
9.2.    Leiden Sie häufig unter Mangel an Selbstvertrauen?
9.3.    Fehlt Ihnen oft die Motivation oder konkrete Lust, etwas in Angriff zu nehmen?
9.4.    Fehlt Ihnen der Sinn am Leben?
9.5.    Fühlen Sie sich erst in extremen Situationen oder bei gefährlichen Sportarten richtig lebendig?
9.6.    Haben Sie öfter das Gefühl, festzustecken in Umständen oder Situationen?

10.    Wenn die Geburt zu lange und anstrengend war
10.1.  Haben Sie bei Herausforderungen oft das Gefühl, es nicht zu schaffen, auch wenn es objektiv betrachtet
          nicht so anstrengend ist?

11.    Peridural-Anästhesie
11.1.  Fühlen Sie sich in schwierigen Situationen allein gelassen?
11.2.  Verlassen Sie sich in schwierigen Situationen lieber auf sich selbst?

12.    Kaiserschnitt
12.1.   Leiden Sie unter Überempfindlichkeit bei plötzlichen Geräuschen oder unerwarteten Veränderungen?
12.2.   Neigen Sie zu einer Ambivalenz im Nähe-Distanz-Verhalten?
12.3.   Sie neigen zu asthmatischen Erkrankungen?
12.4.   Sie leiden oder haben als Kind unter Trennungsängsten gelitten?
12.5.   Sie haben als Kind besonders stark Ihre Grenzen ausgetestet?
12.6.   Haben Sie das Gefühl, in schwierigen Situationen schnell aufzugeben und auf Hilfe zu warten?
12.7.   Haben Sie Angst bei/vor plötzlichen Veränderungen?
12.8.   Haben Sie leicht das Gefühl, dass Ihre Grenzen nicht beachtet oder verletzt werden?
12.9.   Oder lehnen Sie eher Hilfe in schwierigen Situationen ab?
12.10.  Neigen Sie eher alles mit dem Verstand als mit dem Bauchgefühl zu betrachten?
12.11.   Fällt es Ihnen schwer, etwas zu Ende zu bringen (Bücher, Tätigkeiten usw.)
12.12.   Sie können nicht gut mit Druck umgehen, sehnen sich aber andererseits danach?
12.13.   Positionen, in denen Sie Autorität beweisen müssen, füllen Sie gut aus. Aber auf der anderen Seite
             kann es sein, dass Sie Autoritäten eher ablehnen?
12.14.   Sie können schlecht mit Störungen umgehen?
    13.    Zangengeburt/ Saugglocken-Entbindung
13.1.    Haben Sie oft das Gefühl, dass Ihre Grenzen verletzt werden?
13.2.    Haben Sie häufig das Gefühl, vom Umfeld zu Handeln gezwungen zu werden?
13.3.    Fühlen Sie sich schnell vom Umfeld zum Handeln unter (Zeit-)Druck gesetzt zu werden?
13.4.    Sie leiden unter Migräne oder Spannungskopfschmerzen?

14.    Weitere nicht spezifische Fragen:
14.1.    Kennen Sie folgende Sätze:
14.1.1.    Ich stecke fest
14.1.2.    Es gibt keinen Ausweg mehr, kein Licht am Ende des Tunnels.

Qellennachweis: NATÜRLICH ANGSTBEFREIT und BEFREIT VON ALTEN MUSTERN von LUC NICON, DAS GOLDENE TOR ZUM LEBEN von FRANZ RENGGLI

Hier noch eine Erweiterung zum Thema Auswirkungen Kaiserschnitt:

PDA oder SPA (Anästhesie über die Wirbelsäule)
• Kontaktabbruch zur Mutter. Das Kind kann seine Signale nicht mehr an die Mutter weitergeben.
   o Kinder setzen beim Spielen häufig die Beine nicht ein


Öffnen der Gebärmutter
• Führt zum plötzlichen Druckabfall
   o Führt evtl. zu Spreng- und Explosionsspielen
   o Ambivalenz dem Arzt gegenüber – er ist Eindringling und Retter zugleich. Das kann später zu Loyalitätskonflikten führen.


Herausheben des Kindes
• Durch das schnelle Tun des Personals hat das Kind keine Zeit sich zu orientieren. Seine Grenzen werden nicht respektiert. Die Berührungen sind zweckgerichtet, kalt unpersönlich und schmerzhaft.


Durchtrennen der Nabelschnur
• Die Nabelschnur wird durchtrennt, wenn sie noch pulsiert. Die Trennung ist dadurch abrupt und schmerzhaft (besonders in den Lungengefäßen)


Ein Kaiserschnitt ist eine unvollendete Geburt
• Kinder wirken, als wenn sie noch nicht richtig auf der Welt wären
• Als Erwachsene fühlen sich diese Kinder oft fremd in dieser Welt
• Fühlen sich oft nicht angekommen, wenn sie auf neue Gegebenheiten treffen (Kindergarten, Schule)
• Häufig fehlt der Impuls für den richtigen Zeitpunkt. Fehlende Eigeninitiative.
• Hilfe wird erwartet, obwohl sie nicht wirklich notwendig ist. Es fehlt das eigene Zutrauen. Ein „du schaffst es“ wird von außen als Unterstützung erwartet. Dies führt dann oft zu einer erlernten Passivität. Kaiserschnittkinder fehlt die Erfahrung, sich durch etwas hindurchgearbeitet zu haben.
• Kann zu fehlendem Sicherheitsgefühl führen
• Braucht für eigene Impulse sehr viel Bestätigung
• Möglicherweise hektisches Spielen, schnelles Wechseln von Tätigkeiten, nichts wirklich zu Ende führen. Oder kein Ende finden.
• Überschreitet selbst die Grenzen anderer. Lässt aber auch seine eigenen Grenzen schnell überschreiten

Notkaiserschnitt
• Stress bei Übergängen (Kita, Schule)
• Orientierungslosigkeit bei Stresssituationen
• Aufgaben werden ganz schnell erledigt nach dem Motto: Schnell ist gut, langsam ist gefährlich
• Angst vor Eindringlingen
• Ambivalenz zu Türen. Es ist unterschiedlich: manche Kinder können geschlossene Türen nicht ertragen. Andere wieder überprüfen immer wieder, was sich hinter geschlossenen Türen verbirgt oder können nur zur Ruhe kommen, wenn die Haustür abgeschlossen ist
• Aufgaben unter Druck erledigen ist für diese Kinder oft sehr frustrierend. Sie brauchen sehr viel Zustimmung zu ihrem eigenen Tempo
• Können bei Frustration schneller mal „explodieren“
• Beenden einer Tätigkeit durch andere kann zu Auflehnung oder Wut führen (der Geburtsprozess wurde von außen vor dem eigenen erwarteten Zeitpunkt beendet). Kann zum ständigen Verhandeln seitens des Kindes führen.

Quelle: Die Kaiserschnittgeburt von Klaus Käppeli (Seite 91-113) in dem Buch Körperpsychotherapie mit Säuglingen und Eltern von Thomas Harms (Hrsg).

 

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